Bücher schreiben und die Gründe für Verzögerungen

Ich muss zugeben: Die Schreibarbeiten an meinem aktuellen Buch Access und SQL Server (zusammen mit Bernd Jungbluth) haken ein wenig. Das Buch wird später als geplant erscheinen. Klar, dass die Leser sich ärgern, wenn der neue Lesestoff nicht pünktlich erscheint. Es gibt jedoch verschiedene Gründe, warum dies der Fall ist. Sollte dies interessant für Sie sein, lesen Sie weiter!

Klassische Gründe für Verzögerungen

Das Buch "Access und SQL Server" ist nun seit knapp vier Monaten in Arbeit. Die Gründe dafür, dass es beim Schreiben eines Buches nicht voran geht, sind vielfältig. Klassischerweise schreibt man ein Buch für einen Verlag und verdient dort, wenn man nicht gerade einen Belletristik-Klassiker schreibt, nur mäßig daran.

Im EDV-Bereich ist es noch schwieriger (vielleicht auch in anderen Bereichen, aber dort fehlen mir die Erfahrungswerte): Es gibt nur selten einen Vorschuss. Wenn es einen gibt, kann man damit nur selten mehr als zwei warme Mahlzeigen am Tag abdecken. Kohle gibt es eigentlich erst, wenn das Buch fertig ist und verkauft wird. Das Problem ist: Abgerechnet wird einmal im Quartal, und zwar in Abhängigkeit von der Anzahl der verkauften Bücher.  Und wenn Sie an konkreten Zahlen interessiert sind: Der Autor erhält in der Regel zwischen 10 und 12 Prozent vom sogenannten Verlagsabgabepreis. Das ist der Buchpreis minus Mehrwertsteuer minus Handelsrabatt. Bei meinem Verlag blieben so noch rund 50% vom Ladenpreis über.

Das heißt: Der Autor verdient pro Buch zwischen 5 und 6 Prozent vom Buchpreis. Bei meinem letzten Buch für Addison-Wesley (Access 2010 - Das Grundlagenbuch für Entwickler) bedeutete dies: Bei einem Ladenpreis von 59,95 EUR bleiben für den Autor knapp 3,60 EUR übrig. Verkauft haben sich ca. 3.000 Exemplare, was einen Erlös von etwas über 10.000 EUR ausmacht. Für drei bis sechs Monate Arbeit (mit Unterbrechungen - dazu gleich mehr). Ganz nett, wenn man in drei Monaten fertig ist und das Geld monatlich erhalten würde. Die Einkünfte verteilen sich jedoch über den kompletten Lebenszyklus des Buchs - beispielsweise über drei bis vier Jahr.

Bücher vom Fließband

Nun könnte man Folgendes machen: Man schreibt wie der Teufel Bücher und lässt diese bei verschiedenen Verlagen verlegen. Irgendwann generieren die laufenden Bücher dann genügend Einnahmen, um mal ungestört ein komplettes Buch schreiben zu können. Es soll Autoren geben, die mit dem Schreiben von Fachbüchern Ihren Lebensunterhalt bestreiten. Allerdings kann ich die mir bekannten an einem Finger abzählen.

Bei einem Autor mit einem eingeschränkten Schwerpunkt (wie bei mir Microsoft Access) gibt es aber ohnehin kaum genügend Themen, um ein Buch nach dem anderen zu veröffentlichen, ohne sich zu wiederholen. Es gibt zwar sicher die Möglichkeit, Themen mehrfach in verschiedenen Büchern und gegebenenfalls bei verschiedenen Verlagen zu veröffentlichen, aber ich versuche es tunlichst, dies zu vermeiden. Davon abgesehen verliere ich auch in der Regel das Interesse an einmal geschriebenen Themen, sodass ich diese nur ungern erneut aufbereite. Es sei denn, unter einem neuen Gesichtspunkt oder wenn sich die dahinter liegenden Techniken verändert haben.

Nebenjobs

Sprich: Ein Fachbuch-Autor muss sich noch mit anderen Dingen beschäftigen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Die meisten wenden sich dabei der praktischen Seite des behandelten Themas zu und führen Projekte zu den in den Büchern behandelten Themen durch. Bei Access-Autor bedeutet dies, dass er Software oder Tools entwickelt oder Unternehmen beratend zur Seite steht. Andere geben Schulungen, halten Vorträge oder führen Workshops durch. Projekte haben für den Buchautoren den großen Nachteil, dass sie - wie fast überall im wirklichen Leben - zeitlich nur schwer zu planen sind. Beim Ping-Pong zwischen Auftraggeber und Entwickler ergeben sich immer Änderungen. Das liegt nicht an der schlechten Planung, sondern schlicht daran, dass der Auftraggeber erst im Laufe des Entwicklungsprozesses erkennt, was mit der Software alles möglich ist und fordert hier und da Änderungen oder Erweiterungen ein.

Und wenn Sie jetzt ein langfristig angelegtes Buchprojekt (sagen wir, mit einem geplanten Abgabetermin in neun Monaten) und ein nach zwei Monaten hinzugekommenes Projekt zusammennehmen, kommen zwangsläufig Verzögerungen beim Schreiben des Buchs hinzu.

Spezialfall

Das ist die herkömmliche Erklärung für die Verzögerung des Erscheinungstermins. In meinem speziellen Fall kommen andere Komponenten ins Spiel: Ich verdiene mein Geld außerhalb des Buchgeschäfts vor allem mit den beiden Magazinen Access im Unternehmen und Access [basics]. Hinzu kommen einige kleinere Projekte, bei denen es meist darum geht, kleinere Anpassungen oder Ergänzungen zu bestehenden Anwendungen zu liefern (größere Projekte könnte ich auch gar nicht unterbringen).

In Summe bedeutet dies, dass ich jeden Monate 20 Seiten für Access [basics] schreibe, alle zwei Monate für rund 72 Seiten für Access im Unternehmen verantwortlich bin und in der Zwischenzeit meine eigenen Bücher schreibe. Die Abgabetermine für die Magazine sind jeweils fest vorgegeben, die für meine Bücher bestimme ich selbst. Warum aber verschiebt sich die Abgabe eines Buchs dennoch immer wieder nach hinten, obwohl doch alles gut planbar erscheint? Warum schreibe ich beispielsweise ein Buch nicht einfach fertig, und gebe dann einen Erscheinungstermin bekannt? Ganz einach: Weil ich dann der Einzige bin, für den ich das Buch fertigschreiben würde. Ich könnte den Erscheinungstermin also beliebig nach hinten verschieben, wenn ich feststelle, dass ich gerade nicht in der Stimmung zum Schreiben bin. Bis das Buch dann fertig wäre, ist die behandelte Access-Version wahrscheinlich schon veraltet.

Motivation!

Also beziehe ich die Leser des Buchs als Druckmittel für mich selbst ein. Wenn ein paar hundert Leute auf das Erscheinen des Buchs warten, kann man es sich kaum erlauben, den Termin nach Lust und Laune nach hinten zu verschieben. Das Resultat: Das Buch wird nicht erst nach zwei oder drei Jahren fertig (wenn überhaupt), sondern mit nur ein bis drei Monaten Verspätung. Und damit komme ich zu den Lesern - also auch zu Ihnen: Sie sind die größte externe Motivation, die man sich vorstellen kann. Wenn sich so viele Menschen auf ein Produkt freuen, dass man selbst gerade fertigstellt, bringt es einen wirklich nach vorne.

Warum geht es dennoch nicht vorwärts? Weil immer wieder Dinge dazwischen kommen. Zum Beispiel:

  • Integration einer neuen Newsletter-Anmeldung
  • Aufbau eines Onlineshops
  • Schreiben von Artikeln für Fachmagazin
  • Kleine Projekte, um mal mit dem Schreiben zu pausieren
  • Schreibblockaden (oft verursacht durch technische Rätsel ...)

Und es gibt noch viele mehr - in den folgenden Tagen erfahren Sie hier live, was mich alles vom Schreiben abhält ...

Dennoch: Haben Sie noch ein paar Wochen Geduld, dann halten Sie Access und SQL Server in den Händen. Und damit ich keine Ausreden mehr habe: Von nun an gibt es täglich einen Bericht, an welchen Kapiteln ich gearbeitet habe und was dabei herumgekommen ist. Oder warum ich nicht am Buch gearbeitet habe. Bleiben Sie dran!

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  • Topmeldung

    Hallo Herr Minhorst,

    schön dass Sie so ehrlich sind. Neben den oben genannten Gründen, pflegen Sie ja noch sehr intensiv Ihr Mai-Account und müssen Fragen von den versch. DAU´s beantworten :)

    Auf dem Gebiet der "Access"-Software machen Sie einen Topjob und sollten sich daher soviel Zeit, wie für ein gutes Buch notwenig ist, nehmen. Für die ganz Ungeduldigen haben Sie ja schon diverse Leseproben veröffentlicht.

    Mit freundlichem Gruß aus Berlin
    Joachim

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